Warum ich mir eine MFT-Kamera gekauft habe und damit nach Japan gereist bin

Japan, der Traum eines jeden Fotografen. Die perfekte Gelegenheit, um das komplette Kamera-Equipment ins Handgepäck zu packen und Tag für Tag mit sich herum zu schleppen, um die bestmöglichen Fotos zu machen – oder?

Das habe ich mir auch gedacht, zumindest bis ich für ein langes Wochenende in Riga war und mir die Ausrüstung für diese vier Tage schon zu schwer war. Vor allem hatte ich nicht das Gefühl, dass ich für meine Fotografie wirklich immer Vollformat brauche.

Zudem habe ich schon länger von einer kleinen Zweitkamera geträumt, so etwas wie einer Fujifilm X100V oder ähnlich. Diese Kameras werden derzeit aber extrem gehyped und sind so gut wie nicht erhältlich – selbst gebraucht kosten manche Modelle mehr als der Neupreis. Also habe ich mich etwas umgesehen und bin über eine gebrauchte Panasonic Lumix GX80 mit dem Panasonic 20mm f1.7 gestolpert. Ich hatte von dieser Kombination bereits gehört: ein Geheimtipp für Streetfotografie.

Als ich die Kamera endlich in den Händen hielt und die erste Runde abends durch Stuttgart gegangen bin, war ich sofort verliebt. Die Größe, das Gewicht, das Handling, die Bildqualität, alles hat gepasst. Einen Monat später hatte ich die Kamera als alleinige Reisekamera bei einem Kurztrip in die Heimat und drei weitere Wochen später in Krakau dabei. Ich hatte mir zusätzlich noch ein gebrauchtes 12-60 mm Universalzoom besorgt, das das 20mm hervorragend ergänzt.

Moment, ein zweites Objektiv? Richtig, denn die GX80 ist eine System-Kamera mit MFT-Sensor.

Ein kurzer Exkurs: Was ist MFT?

MFT, kurz für “Micro Four-Thirds” ist ein Kamerasystem, das maßgeblich von Olympus und Panasonic entwickelt und bis heute vertrieben wird. Die Sensoren sind deutlich kleiner als bei einer Vollformat-Kamera, nämlich ca. 17 x 13 mm (gegenüber ca. 36 x 24 mm bei Vollformat). Dadurch können sowohl Kameras als insbesondere auch Objektive deutlich kleiner gebaut werden.

Olympus 14-150mm für MFT (entspricht 28-300mm an Vollformat) neben dem Nikkor 24-200mm für Vollformat

Erkauft wird sich der Größenvorteil durch eine schlechtere Performance bei wenig Licht und eine veränderte Bildwirkung. So verdoppelt sich die Brennweite (20mm an MFT entspricht 40mm an Vollformat) und die effektive Lichtstärke eines Objektivs halbiert sich, was zu einer deutlich geringeren Freistellung bzw. deutlich schwächerem Bokeh führt. Zudem haben die kleineren Sensoren ein generell stärkeres Rauschen bei hohen ISO-Werten, die man wegen der geringeren Lichtstärke der Objektive auch häufiger benötigt.

Also auf nach Japan?

Ich habe im Vorfeld meiner Reise viele Gedanken gemacht, ob es wirklich richtig ist, nur die GX80 mitzunehmen. Trotz der guten Erfahrungen in Krakau hatte ich Zweifel, schließlich ist ein knapp dreiwöchiger Trip nach Japan noch einmal etwas ganz anderes. Also habe ich meinen Rucksack probegepackt: Einmal mit der Nikon-Ausrüstung, die ich mitgenommen hätte, und dann mit der MFT-Ausrüstung. Danach war die Entscheidung klar: es wird MFT.

Genau wie nach Krakau habe ich meine beiden Panasonic-Objektive mitgenommen, das 20mm F1.7 und das 12-60mm Universalzoom. Zudem hatte ich mir von einem Freund ein 14-150mm Reisezoom von Olympus ausgeliehen, das mein eigenes 12-60mm nahezu obsolet gemacht hat. Warum nur nahezu? Im Gegensatz zum Olympus-Zoom verfügt das von Panasonic über einen zusätzlichen Bildstabilisator, der mit dem Stabilisator in der Kamera zusammenarbeitet. So lassen sich auch bei längeren Brennweiten mit beachtlichen Belichtungszeiten sicher aus der Hand fotografieren, ohne dass die Bilder unscharf werden.

Zusätzlich hatte ich Ersatzakkus und ein Dual-Ladegerät für die Akkus dabei, das per USB gespeist wird. Warum ist so etwas eigentlich nicht schon längst Standard bei den Kameraherstellern? Sicherheitshalber habe ich auch einen Satz Schraubfilter (ND und Polfilter) mit passenden Adapterringen ins Gepäck geschmissen, die ich aber letztlich nie gebraucht habe. Ein Stativ hatte ich gar nicht erst dabei, da ich meins so gut wie nie verwende.

Fazit: MFT ist nicht perfekt, aber gut genug

Wirklich vermisst habe ich eine “bessere” Kamera nicht. Klar wäre meine Z6 in manchen Situationen besser gewesen; gerade Halloween in Kabukichō fällt mir hier ein. Aber zu keinem Zeitpunkt hatte ich das Gefühl, dass die kleine GX80 schlechte Fotos schießt oder an ihre Grenzen kommt. Im Gegenteil, dadurch dass die Kamera so klein und leicht ist, hatte ich sie quasi immer und überall dabei und war so in der Lage, deutlich mehr Fotos zu schießen, als ich es mit der Z6 getan hätte. Die beste Kamera ist eben doch die, die man immer dabei hat.

Bei Interesse liefere ich einen ausführlichen Testbericht der GX80 und den verwendeten Objektiven nach.