Ein langes Wochenende in Riga

Wieso eigentlich Riga?

Gute Frage. Die Idee zu diesem Trip entstand bereits im Frühjahr 2022. Nach den Corona-Jahren wollte ich wieder irgendwo hin, und war auf der Suche nach Reisezielen, die ich bequem vom Stuttgarter Flughafen erreichen konnte (der sich mehr oder weniger fast vor meiner Haustüre befindet). Neben den üblichen Touristenzielen wie Barcelona, Mallorca und Istanbul steht eben auch Riga dreimal wöchentlich nonstop auf dem Flugplan. Und da mir der Norden irgendwie lieber ist als der Süden, stand das Ziel meiner Reise nach kurzer Recherche fest.

Leider kam 2022 dann sehr kurzfristig Corona dazwischen, sodass ich meine Reise verschieben musste.

Das gibt’s in Riga zu sehen

Altstadt

Die Rigaer Altstadt, auch bekannt als Vecrīga, ist ein faszinierendes historisches Viertel und eine der Hauptattraktionen der lettischen Hauptstadt. Die Altstadt zeichnet sich durch ihre gut erhaltene Architektur aus dem 13. bis 20. Jahrhundert aus und wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Eines der bekanntesten Wahrzeichen ist der Dom zu Riga, eine imposante gotische Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert. Besucher können den Turm besteigen und einen atemberaubenden Panoramablick über die Stadt genießen – auch wenn ich diesen nicht persönlich gesehen habe.

Das Zentrum der Altstadt ist der Rathausplatz (Rātslaukums), an dem einerseits das namensgebende Rathaus grenzt, andererseits aber auch das prunkvolle Schwarzhäupterhaus, eines der bekanntesten Gebäude in Riga. Das erstmals im Jahr 1334 urkundlich erwähnte Haus wurde im zweiten Weltkrieg zerstört und 1993 originalgetreu neu aufgebaut. Neben dem Schwarzhäupterhaus befindet sich das lettische Okkupationsmuseum, und auf der anderen Seite das Denkmal für die Opfer der sowjetischen Besatzung. Weitere nennenswerten Gebäude sind die Petrikirche, das Katzenhaus, das Schwedentor und der Pulverturm.

Wie man an der Fotogalerie vielleicht erkennen kann, hatte ich in der Altstadt fotografisch sehr zu kämpfen. Nicht jede schöne Szenerie resultiert eben auch in einem schönen Bild. Dazu kam, dass das Wetter nicht mitgespielt hat: von bedeckt bis Regen war alles dabei, aber so gut wie kein blauer Himmel, geschweige denn farbenfrohe Sonnenuntergänge.

Aber nicht nur das: Überall in Riga, nicht nur in der Altstadt, sind überirdische Stromleitungen und mit Seilen über den Straßen aufgehängte Laternen zu finden, die den Blick auf so manche Sehenswürdigkeit stören.

Neustadt

Nordöstlich an die Altstadt grenzt der Basteipark mit einem Kanal an, in dessen Mitte das 42 Meter hohe Freiheitsdenkmal steht. Das Denkmal wurde zu Ehren der Letten gebaut, die im Unabhängigkeitskrieg von 1918 bis 1920 starben. Folgt man der hinter dem Denkmal startenden Allee, gelangt man in die Neustadt, die mit vielen historischen Jugenstilbauten und unzähligen Cafés und Restaurants aufwarten kann.

In der Dämmerung mit dem richtigen Licht würden sich die langen, geraden Straßen in der Neustadt perfekt für ein paar Fotos mit einer langen Linse eignen, besonders wenn man die Straßenbahnen mit einbindet, die teilweise noch aus der Sowjetzeit stammen. Aber auch hier wieder das gleiche Problem: Ich hatte kein vernünftiges Licht, da das Wetter nicht kooperativ war.

Zentralmarkt

Der Rigaer Zentralmarkt, Rīgas Centrāltirgus, ist ein riesiger Markt für Lebensmittel aller Art. Er erstreckt sich über vier Zeppelin-Hallen (von denen – Stand 2023 – eine jedoch renoviert wird) und einen weitläufigen Außenbereich.

Der Zentralmarkt war mein persönliches Highlight der Reise. Nicht nur hat er hervorragend Schutz vor einem kräftigen Regenschauer geboten, sondern es haben sich auch unzählige Foto-Möglichkeiten im Inneren des Marktes ergeben. Insbesondere Fans der Street-Fotografie kommen hier auf ihre Kosten.

Sonstige Sehenswürdigkeiten

Unübersehbar ragt der Fernsehturm, Rīgas radio un televīzijas tornis, 368,5 Meter über die Stadt. Er wurde 1986 gebaut und ist bis heute das höchste freistehende Bauwerk in der Europäischen Union. Es gibt mehrere Aussichtsplattformen, die allerdings noch bis voraussichtlich 2024 wegen Umbauarbeiten geschlossen sind.

Bei schlechtem Wetter ist auch das Riga Motor Museum (Link) einen Besuch wert, in dem die Geschichte des Automobils erkundet werden kann. Das Museum kann von der Innenstadt mit der Buslinie 21 erreicht werden (bis Station “Sociālās aprūpes centrs ‘Mežciems’” fahren und dann ca. 5 Minuten Fußweg – Google Maps hilft im Zweifel sehr gut weiter).

Wenn etwas Zeit übrig ist, bietet sich auch ein Ausflug nach Jūrmala an, das ca. 30 Minuten mit dem Zug von Riga entfernt ist. Alte Villen, viel Grün, natürlich das Meer, aber wenig zu Fotografieren.

Wissenswertes

Der Spruch “anderes Land, andere Sitten” gilt natürlich auch für Lettland.

Die Supermarktkette “Rimi”, die in Riga an jedem Eck zu finden ist, hat täglich bis 22 Uhr geöffnet, die größere Märkte teils sogar bis 23 Uhr – auch Sonntags. Für die Kette “Narvesen”, die ein kleineres Sortiment führen, dafür viele Convenience-Produkte haben, gilt das ebenfalls. Wer sich jedoch spät abends noch ein Bier für das Airbnb besorgen will, hat Pech gehabt: der Verkauf von alkoholischen Getränken ist nach 22 Uhr verboten.

Achtung ist ebenfalls als Fußgänger geboten. Zebrastreifen werden von Autofahrern oft nur als Empfehlungen verstanden; man darf nicht erwarten, dass ein Auto auch wirklich abbremst und den Fußgängern Vorfahrt gewährt. Eine andere Sache ist mir dagegen sehr positiv in Erinnerung geblieben: manche Fußgängerampeln zeigen die Sekunden an, die die Ampel noch rot bzw. grün ist. Außerdem blinken grüne Ampeln für ein paar Sekunden, bevor sie rot werden. So wie ich es verstanden habe, sollte man aber bei einer grün blinkenden Ampel nicht mehr losgehen, da der Zeitpuffer bei “rot” deutlich kürzer ist als in Deutschland.

Englisch wird zumindest im Großraum Riga nahezu überall problemlos verstanden und gesprochen. Speisekarten sind eigentlich immer zwei- oder dreisprachig, wobei Russisch die dritte Sprache ist. Oft sind Lebensmittel im Supermarkt, zusätzlich zu den baltischen Sprachen, auch in Englisch beschriftet. Zur Not liefert der Google Übersetzer meistens brauchbare Ergebnisse. Deutsch wird hingegen kaum verwendet.

Fazit

Sollte ich wieder einmal nach Riga kommen, was definitiv auf meiner Bucket-List steht, werde ich aber zwei Dinge anders machen. Zuerst werde ich mehr als nur drei Nächte einplanen. Zwei volle Tage sind zu wenig für Sightseeing und ausgedehnte Fototouren, zumal der Flug von Stuttgart erst am Abend landet und man am Abreisetag bereits am Vormittag wieder am Flughafen sein muss. Und zweitens werde ich nicht mehr Mitte Juni fliegen. Zu dieser Jahreszeit geht die Sonne nämlich erst um circa halb 11 in Riga unter und um 4 bereits wieder auf. So bleibt kaum Zeit, um auf einen Sonnenuntergang oder die Dämmerung zu warten.

Trotzdem hat mir Riga sehr gefallen, auch wenn der Trip in Bezug auf die fotografischen Ergebnisse hinter dem zurückgeblieben ist, was ich mir erhofft habe. Aber man kann eine Reise nicht nur anhand der Fotos bewerten, die dabei entstanden sind. Die Erlebnisse und die Reise an sich ist das, was schließlich entscheidend ist.

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