Jeder Fotograf begibt sich früher oder später einmal auf die Suche nach dem perfekten Fotorucksack – oder zweimal, oder dreimal… ach, Du weißt was ich meine. Ich persönlich glaube schon länger nicht mehr, dass es den perfekten Rucksack überhaupt gibt. Höchstens einen perfekten Rucksack für eine konkrete Gelegenheit. Aber vielleicht ist der Gomatic x Peter McKinnon Luma Backpack ja ein perfekter Rucksack für gewisse Gelegenheiten?
Was ich habe und was ich brauche
Aktuell habe ich zwei Rucksäcke, die ich für mein Foto-Equipment verwende: den Wandrd PRVKE 31 Liter (in der neuen Version), wenn ich auf Reisen gehe oder wirklich viel Ausrüstung mitnehmen muss, oder den Lowepro FreeLine 350 AW für alles andere. Diesen Rucksack habe ich mittlerweile schon drei Jahre, bin damit aber nie richtig warm geworden. Sei es wegen der für meine Anforderungen unpraktischen Innenaufteilung, dem hohen Leergewicht, oder weil ich den Rucksack einfach nicht bequem finde – bei keinem anderen Rucksack bekomme ich so schnell verspannte Schultern wie bei dem Lowepro Freeline.
Es musste also etwas neues her. Da ich auf meinen Fototouren tagsüber nur noch meine analoge Kamera, meine MFT-Kamera, sowie max. 1-2 Linsen für das MFT-System mitnehme, durfte der neue Rucksack ruhig etwas kleiner sein. Eine Wasserflasche zählt ebenfalls immer zu meinem Gepäck (stay hydrated!), und ein paar kleine Snacks sowie kabellose Kopfhörer dürfen auch nicht fehlen. Wenn ich länger zu meinem Ziel unterwegs bin, nehme ich zusätzlich noch gerne ein Buch oder einen Retro-Handheld-Emulator mit.
Gomatic x Peter McKinnon Luma 18L Backpack
Meine Wahl fiel auf den Gomatic x Peter McKinnon Luma Backpack in Schwarz, der eine Größe von 18 Litern hat. Zusätzlich gibt es den Rucksack noch in Grau, einem Minz-Grün und einem Rot-Orange.
Der Rucksack, der Teil der “Luma”-Serie ist, zu der auch noch zwei Sling-Bags gehören, wurde von Gomatc (bzw. Nomatic) zusammen mit dem bekannten Fotografen und Youtuber Peter McKinnon entwickelt. Die Luma-Serie ist nicht die erste Kollaboration der beiden, McKinnon hat bereits zwei andere Rucksäcke zusammen mit Nomatic herausgebracht.
Gomatic oder Nomatic?
Auf den ersten Blick etwas verwirrend ist die Tatsache, dass es diesen Rucksack einmal von Gomatic als auch von Nomatic gibt. Der Hintergrund dafür ist, dass Nomatic aufgrund von markenrechtlichen Problemen nicht innerhalb Europas auftreten darf, weshalb die Produkte in Europa ein “Gomatic”-Branding bekommen. Unter der Haube steht aber die gleiche Firma dahinter, und auch die Produkte selbst sind bis auf den Firmennamen identisch. Testberichte und Videos, die für den “Nomatic Luma 18L Backpack” geschrieben wurden, gelten demnach uneingeschränkt auch für den “Gomatic Luma 18L Backpack”.
Von Außen
Das Außenmaterial besteht aus einem robusten Stoff, der in irgendeiner Form wasserabweisend imprägniert ist. Gomatic weist darauf hin, dass der Rucksack zwar wasserabweisend, jedoch nicht wetterfest ist. Zudem werden keine wasserdichten Reißverschlüsse verwendet. Ein kleiner Regenschauer kann der Rucksack also ab, jedoch solltest Du unbedingt ein Regencover über den Rucksack ziehen, bevor du dich in einen kräftigen Regenguss begibst.
Polster und Gurte:
Die Gurte und das Rückenpolster des Luma Backpacks machen einen hochwertigen Eindruck. Gerade das Rückenpolster ist aber etwas einfacher gehalten als beispielsweise bei einem Rucksack der für lange Wanderungen mit viel Gepäck gedacht ist. Die Belüftung am Rücken ist akzeptabel, aber es gibt definitiv noch Luft nach oben. Ich persönlich finde, dass der Rucksack mit meinen 1,80 Metern Größe sehr komfortabel sitzt. Lange Touren mit sehr viel Gepäck möchte ich damit aber nicht machen; dafür ist der Rucksack aber auch nicht gedacht.
Es gibt keinen Hüftgurt, aber wenigstens einen Brustgurt, den Du auf einer Schiene stufenlos in der Höhe verstellen kannst. Ein in den Brustgurt eingenähtes Gummiband erhöht den Tragekomfort, auch wenn ich persönlich Brustgurte ohne Gummi bevorzuge, da sie sich “stabiler” anfühlen. Leider kann man den Brustgurt nirgends verstauen oder gar komplett entfernen, wenn man ihn nicht benötigt.
Fächer und Zugriffe auf den Innenraum:
Der Innenraum des Rucksacks besteht im Grunde genommen nur aus einem einzigen Fach. Du hast die Option, über einen Reißverschluss von oben auf das Fach zuzugreifen, oder über einen seitlichen Zugang, der speziell für die Kamera konzipiert ist. Am Zugriff von oben befindet sich außerdem ein kleines Fach, das mit einem zusätzlichen Reißverschluss verschlossen ist. Zudem besteht die Möglichkeit, ähnlich wie bei einem Koffer, das gesamte Rückenteil des Rucksacks zu öffnen. Abgerundet wird das ganze durch ein Laptopfach, das laut dem Hersteller Platz für einen Laptop bis zu 16 Zoll bietet. Da mein 14-Zoll-Macbook sehr großzügig in diesem Fach Platz findet, dürfte auch ein 16-Zoll-Gerät hineinpassen.
Es wurden überall normale Reißverschlüsse von YKK verwendet (also keine wetterfesten Reißverschlüsse), die allesamt sehr gut funktionieren. Einen kleinen Abzug gibt es aber beim großen Reißverschluss, der das Rückenteil öffnet: Hier scheint manchmal der Reißverschluss an den Trennwänden im Inneren hängen zu bleiben, weshalb sich der Reißverschluss nicht immer geschmeidig ziehen lässt.
Sonstiges:
An einer Seite des Rucksacks befindet sich eine Tasche für eine Wasserflasche, die magnetisch verschlossen wird, wenn Du sie nicht brauchst. Zudem kannst Du mit einer kleinen Halterung, die bei Nichtgebrauch weggesteckt werden kann, an der Vorderseite ein Stativ befestigen.
Von Innen
Im Gomatic x Peter McKinnon Luma 18L Rucksack steht Dir ein großes Hauptfach zur Verfügung, das komplett flexibel aufgeteilt werden kann.
Die Besonderheit des Rucksacks ist ein spezielle, steife Trennwand, mit dem Du die Größe des oberen Fachs selbst bestimmen kannst. Diese Wand wird einfach mittels Klettverschluss im Rucksack an der gewünschten Stelle befestigt. Hier solltest Du allerdings beachten, dass, aus welchen Gründen auch immer, der Seitenzugriff der Kamera auf der Innenseite ebenfalls mit einem Klett-Material überzogen ist. Das führt dazu, dass Du der Seitenzugriff nicht mehr öffnen kannst, wenn Du die Trennwand auf der Höhe des Seitenzugriffs platzierst. Ansonsten ist diese Konstruktion erstaunlich stabil und verhindert zuverlässig, dass sich Kleinteile selbstständig auf den Weg in das darunterliegende Kameraabteil machen.
Für das Kameraabteil packt Gomatic zwei große und drei kleine Trennwände in den Rucksack. Die Trennwände machen einen guten und stabilen Eindruck, allerdings sind die kleinen Trennwände für mein Setup zu lange, weshalb ich im oberen Drittel des Kameraabteils Trennwände aus anderen Rucksäcken verwende. Die orange und die beiden schwarzen Trennwände, die im ersten Bild oben zu sehen sind, gehören also nicht zum Lieferumfang!
Auf der Rückwand befinden sich drei Taschen aus einem elastischen Mesh-Gewebe, das sich perfekt für Ersatzakkus oder eine SD-Karte eignet. Sonst gibt es im Inneren des Rucksacks keine weiteren Fächer. Ich persönlich hätte mir in der Klappe des Seitenzugriffs noch ein kleines Fach für eine SD-Karte oder einen Airtag gewünscht.
Fazit
Nach zwei Monaten Benutzung muss ich sagen, dass mir der Gomatic x Peter McKinnon Luma 18L Backpack außerordentlich gut gefällt. Er ist leicht, bequem, kompakt, und lässt sich perfekt auf meine Bedürfnisse konfigurieren.
Natürlich gibt es hier und da Verbesserungspotential. So vermisse ich zum Beispiel ein kleines Geheimfach für einen Reisepass und einen Airtag. Auch ist der Rucksack ein kleines bisschen zu groß, um bei den meisten Airlines als persönlicher Gegenstand durchzugehen, wenn man es genau nimmt.
Ein abschließendes Urteil vom Luma 18L Backpack von Gomatic bzw. Nomatic kann ich aber noch nicht fällen, da zum Zeitpunkt des Schreibens noch keine deutschen Ladenpreise für den Rucksack bekannt sind. Im britischen Shop von Gomatic ist der Rucksack mit 210 Britischen Pfund gelistet, was umgerechnet knapp 250€ ergibt (Stand: 04.04.2024). Das ist ungefähr der Preis, den ich über die Kickstarter-Kampagne bezahlt habe.
Ist der Preis gerechtfertigt? Schwer zu beurteilen. Einerseits nein, weil es für das, was ich auf meine kleinen Touren mitnehme, auch ein günstiger Rucksack von Amazon tut. Eigentlich. Andererseits ist es überraschend schwer, einen Rucksack in dieser Größe mit vergleichbaren Features zu finden. Da landet man schnell bei Peak Design oder ähnlichen Marken, die preislich in der gleichen Kategorie spielen.
Es ist ein hervorragender Rucksack, bei dem ich wenig Zweifel habe, dass ich die nächsten Jahre viel Freude daran haben werde. Brauche ich ihn? Klares nein. Bereue ich den Kauf? Keine Sekunde.
Mögliche Alternativen
Hier noch eine kurze Auflistung der beiden Rucksäcke, die ich alternativ in Betracht gezogen habe. Bei den bekannten Hersteller wie Lowepro, Manfrotto etc. finden sich auch passende Alternativen, allerdings fällt es mir wegen der schieren Auswahl bei diesen Herstellern schwer, ein konkretes Modell zu empfehlen. Nicht zuletzt findest Du auch auf Amazon unzählige Rucksäcke von weniger bekannten Marken, wobei ich dabei empfehlen würde, schon etwas auf die Qualität zu achten und nicht einfach den günstigsten zu nehmen.
Das Luxus-Modell: Shimoda Urban Explore 20
Die Urban-Explore-Reihe von Shimoda (Link) kommt in drei verschiedenen Größen: 20, 25 und 30 Liter. Jedoch hatte mich die Aufteilung des Kamerawürfels in der 20-Liter-Version nicht überzeugt, außerdem wäre Größe und Gewicht dieser Version keine Verbesserung zu meinen bereits vorhandenen Rucksäcken gewesen.
Der Klassiker: Peak Design Everyday Backpack 20L
Die meisten Fotografen dürften schon einmal vom Everyday Backpack von Peak Design (Link) gehört haben, den es sowohl in 20 Liter als auch 30 Liter gibt. Hier war und bin ich skeptisch, was die Aufteilung des Innenraums betrifft. Testberichten zufolge passt einem das Regal-System des Everyday Backpacks, oder es passt überhaupt nicht. Da ich bereits einen Rucksack mit Regal-System besitze (Lowepro Freeline 350 AW), das mich in 3 Jahren nicht wirklich überzeugt hat, war ich auch beim Everyday Backpack skeptisch; das hohe Gewicht der 20 Liter-Variante hat ihr übriges getan.
Disclaimer
Alle hier genannten Produkte wurden selbst gekauft, alle Meinungen sind meine eigenen, es besteht keinerlei Geschäftsbeziehung zu den genannten Firmen.


